IANA Stewardship Transition: Einfaches wird kompliziert

Update (26.3.): Inzwischen gibt ein auch von ISOC.DE unterstütztes Positionspapier zum Thema.

Bekannt ist, dass die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) Nummern und Namen im Internet registriert, die für den Betrieb unerlässlich sind und eindeutig sein müssen. Überwacht wird die Arbeit der IANA durch die National Telecommunications and Information Administration (NTIA), also einer Regierungsorganisation der USA. Hierzu hat die NTIA einen Vertrag mit der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN). Dieser Vertrag läuft im September aus. Erfreulich ist, dass NTIA die IANA aus US-Regierungsverantwortung entlassen will, und nicht anstrebt, den Vertrag mit ICANN zu erneuern. So weit — so gut.

NTIA hat sogar eine Idee, wer denn die Aufsicht über IANA übernehmen sollte: ICANN sollte es selbst tun. Allerdings sei eine wesentliche Voraussetzung hierfür, dass ICANN eine genügende Stabilität und Verlässlichkeit (accountability) nachweise. Stellt man mal die Logik, dass NTIA Bedingungen für einen auslaufenden Vertrag stellt hinten an: es hört sich zunächst nach einer guten Lösung an.

Und so haben denn zwei der Hauptkunden von IANA bereits Zustimmung signalisiert und ein Konzept abgeliefert: die IETF, für die IANA u.a. Protokolle und Protnummern verwaltet und die regionalen Internet Registries, die für die IP-Nummern verwaltet werden. In ICANNs ureigener Domäne, den Domain Names gehen die Meinungen der Beteiligten jedoch noch auseinander. Von „ICANN sollte es machen“ bis zu „auf keinen Fall ICANN“ driften die Meinungen auseinander. Insbesondere in der „auf keinen Fall ICANN“-Fraktion überschlagen sich die Vorschläge, wie es besser sei. Da wird eine neue Organisation ins Spiel gebracht, die ICANN beaufsichtigen soll. Oder es wird zunächst eine – wie auch immer geartete ICANN-Reform gefordert.

ISOC.DE meint, dass die „IANA Stewardship Transition“ ein denkbar schlechter Haken ist, um damit Druck in Richtung auf eine — sicher wünschenswerte — Reform vor ICANN aufzuhängen. IANA hat nichts mit irgendwelchem Streit in und um ICANN zu tun. Insofern sollte man die Gelegenheit ergreifen, dass Internet ein bisschen weniger US-abhängig zu machen. Die Übertragung der Verantwortung an ICANN ist sicher ein einfacher und pragmatischer Schritt in diese Richtung. Eine Reform von ICANN kann besser unabhängig davon — und ohne den damit verbundenen Termindruck — betrieben werden.

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